Seit dem Geldspielgesetz von 2019 sind die Regeln in der Schweiz spielerfreundlicher als in den meisten anderen Ländern – aber auch komplizierter, als ein einfaches «steuerfrei bis eine Million» vermuten lässt.
Was und wo du spielst, entscheidet über die Steuer
Das Schweizer Steuerrecht unterscheidet beim Glücksspiel nicht nach der Höhe des Gewinns allein, sondern vor allem nach der Art des Spiels und dem Ort, an dem du spielst. Die zentrale Rechtsgrundlage ist das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), das am 1. Januar 2019 in Kraft trat und die Besteuerung von Glücksspielgewinnen grundlegend neu geregelt hat.
Alle Spieltypen im Überblick
Im Kern gibt es fünf Kategorien von Geldspielen, die steuerlich jeweils unterschiedlich behandelt werden: Spielbankenspiele (stationär), Online-Spielbankenspiele, Grossspiele, Kleinspiele und Verkaufsförderungsspiele. Dazu kommen zwei Sonderfälle: Spiele bei ausländischen Anbietern und Spiele im privaten Kreis.
| Spielkategorie | Beispiele | Steuerliche Behandlung |
|---|---|---|
| Spielbankenspiele (stationär) | Roulette, Black Jack, Poker, Slots in einer Schweizer Spielbank | Komplett steuerfrei (Einkommens- und Verrechnungssteuer) |
| Online-Spielbankenspiele | Slots, Roulette, Black Jack bei mycasino.ch, casino777.ch etc. | Freibetrag ca. CHF 1’071’000, darüber Einkommens- und Verrechnungssteuer |
| Grossspiele | Swiss Lotto, EuroMillions, Sporttip, Swisslos, interkantonale Lotterien | Freibetrag ca. CHF 1’071’000, darüber Einkommens- und Verrechnungssteuer |
| Kleinspiele | Lokale Tombolas, kleine Pokerturniere, lokale Sportwetten | Komplett steuerfrei |
| Verkaufsförderungsspiele | TV-Gewinnspiele, Rubbellose im Detailhandel | Freibetrag ca. CHF 1’100 pro Gewinn, darüber voll steuerpflichtig |
| Ausländische Spiele | Online-Casinos ohne Schweizer Lizenz, Casinobesuch im Ausland | Alle Gewinne voll steuerpflichtig (Einkommenssteuer) |
| Spiele im privaten Kreis | Pokerrunde mit Freunden, Tippspiel unter Kollegen | Formal steuerpflichtig (Einkommensgeneralklausel), praktisch aber bei kleinen Beträgen irrelevant |
Die exakten Freibeträge werden jährlich an die Teuerung angepasst und können kantonal leicht variieren. Die oben genannten Werte gelten für die direkte Bundessteuer im Steuerjahr 2026. Für kantonale Steuern kann der Freibetrag abweichen – im Kanton Solothurn beispielsweise liegt er bei CHF 1’032’000.
Spielbankenspiele: Komplett steuerfrei
Gewinne, die du in einer der rund 22 konzessionierten Schweizer Spielbanken erzielst, sind vollständig steuerfrei – unabhängig von der Höhe. Es fallen weder Einkommenssteuer noch Verrechnungssteuer an. Das gilt für alle Spiele, die in der physischen Spielbank stattfinden: Roulette, Black Jack, Poker, Baccarat, Spielautomaten.
Diese Steuerfreiheit galt übrigens schon vor dem Geldspielgesetz von 2019. Der Hintergrund: Die Casinos selbst zahlen eine Spielbankenabgabe von 40 bis 80 % auf den Bruttospielertrag, die der AHV/IV zugutekommt. Die Steuerfreiheit für Spieler ist also kein Geschenk, sondern eine bewusste Entscheidung gegen eine Doppelbesteuerung.
gut zu wissen
Auch wenn deine Spielbankengewinne steuerfrei sind: Du musst sie trotzdem in der Steuererklärung deklarieren – in der Regel als «nicht steuerbare Einkünfte» im Wertschriften- oder Lotteriegewinne-Verzeichnis. Das gilt für alle Glücksspielgewinne, egal ob steuerpflichtig oder steuerfrei.
Online-Casino-Gewinne: Freibetrag bis zur Million
Bei lizenzierten Schweizer Online-Casinos ist die Lage anders als beim stationären Besuch. Hier greift ein Freibetrag: Einzelne Gewinne bis zur Höhe von ca. CHF 1’071’000 (Steuerjahr 2026, direkte Bundessteuer) sind steuerfrei. Erst der Betrag, der diesen Freibetrag übersteigt, unterliegt der Einkommenssteuer und der Verrechnungssteuer von 35 %.
Zusätzlich zum Freibetrag gibt es einen Abzug für Einsatzkosten: Die vom Online-Spielerkonto abgebuchten Spieleinsätze im Steuerjahr können bis zu einem Maximalbetrag abgezogen werden – bei der direkten Bundessteuer sind das aktuell ca. CHF 26’800, kantonal meist zwischen CHF 25’000 und CHF 25’900.
Seriöse ausländische Online-Casinos
Grossspiele: Lotterien und Sportwetten
Für Grossspiele – also interkantonale Lotterien (Swiss Lotto, EuroMillions), Sportwetten (Sporttip) und Geschicklichkeitsspiele, die für mehr als 1’000 Personen offenstehen – gelten dieselben Regeln wie für Online-Casino-Gewinne: Freibetrag von ca. CHF 1’071’000, darüber Einkommens- und Verrechnungssteuer.
Der Einsatzkostenabzug ist bei Grossspielen allerdings geringer als bei Online-Casinos: Er beträgt 5 % des steuerbaren Gewinns, maximal ca. CHF 5’400 (direkte Bundessteuer 2026). Das ist deutlich weniger als die CHF 26’800, die bei Online-Spielbanken abgezogen werden können.
Kleinspiele: Komplett steuerfrei
Kleinspiele sind Lotterien, Sportwetten und Pokerturniere mit begrenzter Teilnehmerzahl, die weder automatisiert noch interkantonal oder online durchgeführt werden. Das klassische Beispiel ist die Tombola beim Sportverein, die lokale Sportwette auf den Kantonsliga-Match oder das kleine Pokerturnier im Vereinslokal.
Gewinne aus Kleinspielen sind vollständig steuerfrei – ohne Freibetrag, ohne Obergrenze. Im Gegenzug können auch keine Einsatzkosten abgezogen werden. Wichtig: Die Kleinspiele müssen von der zuständigen kantonalen Behörde genehmigt sein.
Verkaufsförderungsspiele: Vorsicht bei über CHF 1’000
TV-Gewinnspiele, Rubbellose im Detailhandel und ähnliche Aktionen, die der Werbung oder Verkaufsförderung dienen, bilden eine eigene Kategorie. Sie fallen nicht unter das Geldspielgesetz, haben aber eigene Steuerregeln.
Die Freigrenze liegt bei ca. CHF 1’100 pro Einzelgewinn (Steuerjahr 2026). Wird sie überschritten, ist der Gewinn steuerpflichtig. Es gibt dann einen Pauschalabzug von 5 % für Einsatzkosten, maximal ca. CHF 5’400. Auch die Verrechnungssteuer von 35 % greift bei Überschreitung der Freigrenze.
gut zu wissen
Die Freigrenze bei Verkaufsförderungsspielen gilt pro Einzelgewinn, nicht pro Jahr. Wenn du bei einem TV-Gewinnspiel ein Auto im Wert von CHF 40’000 gewinnst, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig – der Freibetrag von CHF 1’100 wird nicht einfach abgezogen, sondern bei Überschreitung fällt er komplett weg. Naturalgewinne (Autos, Reisen, Elektronik) werden zum Marktwert besteuert.
Ausländische Spiele: Voll steuerpflichtig
Gewinne aus Spielen bei ausländischen Anbietern – ob Online-Casino ohne Schweizer Lizenz oder Casinobesuch im Ausland – sind vollständig steuerpflichtig. Der Freibetrag gilt hier nicht. Jeder Gewinn muss als Einkommen deklariert werden.
Ein kleiner Trost: Ausländische Spielgewinne unterliegen nicht der Schweizer Verrechnungssteuer, da der ausländische Veranstalter nicht dem Schweizer Steuerrecht unterstellt ist. Es gibt auch einen Einsatzkostenabzug von 5 %, maximal ca. CHF 5’400 – allerdings ist rechtlich umstritten, ob dieser Abzug auf nicht zugelassene Geldspiele anwendbar ist.
Sonderfälle: E-Sports und private Spielrunden
Die steuerliche Einordnung von E-Sports-Gewinnen ist eines der ungelösten Probleme des Geldspielgesetzes. Je nach Veranstaltung kann E-Sports als Geschicklichkeitsspiel (Grossspiel), als sportlicher Wettkampf oder als reines Unterhaltungsangebot eingestuft werden.
Wird das Event als Geschicklichkeitsspiel im Sinne des BGS klassifiziert, greift der Freibetrag. Wird es als sportlicher Wettkampf gewertet, sind alle Preisgelder als Einkommen voll steuerpflichtig. Die Abgrenzung ist in der Praxis schwierig und wird im Einzelfall beurteilt. Wer regelmässig an E-Sports-Turnieren teilnimmt und dabei nennenswerte Beträge gewinnt, sollte die steuerliche Situation mit einem Steuerberater klären.
Die Pokerrunde mit Freunden oder das Tippspiel unter Kollegen im privaten Kreis fällt nicht unter das Geldspielgesetz. Das bedeutet aber nicht automatisch Steuerfreiheit: Formal fallen solche Gewinne unter die Einkommensgeneralklausel und sind steuerpflichtig. Die Einsatzkosten können abgezogen werden.
Praktisch ist das bei den üblichen Beträgen irrelevant. Wenn bei der Pokerrunde am Freitagabend 50 Franken den Besitzer wechseln, wird sich kein Steueramt dafür interessieren. Anders sieht es bei regelmässigen High-Stakes-Pokerrunden aus – wer hier professionelle Züge zeigt, riskiert eine Einstufung als selbstständig Erwerbstätiger, was die steuerlichen Regeln komplett verändert.
Was du bei der Steuererklärung beachten musst
Unabhängig davon, ob dein Gewinn steuerfrei oder steuerpflichtig ist: Alle Glücksspielgewinne müssen in der Steuererklärung deklariert werden. Steuerfreie Gewinne werden als «nicht steuerbare Einkünfte» aufgeführt. Steuerbare Gewinne werden als «Lotterie- und Spielgewinne» deklariert.
Die Beträge werden jährlich an die Teuerung angepasst. Kantonale Steuern können abweichende Freibeträge und Maximalabzüge haben – prüfe im Zweifelsfall die Wegleitung deiner kantonalen Steuerbehörde.
Tipp
Steuerbare Gewinne sollest du immer in der Steuererklärung angeben – auch wenn die Verrechnungssteuer von 35 % bereits einbehalten wurde. Nur so kannst du sie vollständig zurückfordern. Schweizer Casinos und Lotteriegesellschaften melden grössere Gewinne ohnehin automatisch an die Steuerverwaltung. Wer nicht deklariert, spart keine Steuern, sondern verliert Geld.
